Nacht vom 7. auf 8. Juli, Di auf Mi. 23.00 Uhr,
alles ruhig, kein Kino wie noch nie, es regnet. Trotzdem gute Stimmung unter den BesetzerInnen, ca. 25 Leute sind da. Das Risotto wird nochmals gewärmt, Superbertram vor Wind und Regen in das Pförtnerhäuschen in Sicherheit gebracht.
Müde ziehen sich mehr und mehr die BesetzerInnen in die Zelte zurück. So auch ich um Mitternacht.

Gegen 6.30 früh:

Hier spricht die POLIZEI!!!

Über ein Megaphon ist die Polizei zu hören. Wir seien illegal auf dem Grundstück und werden gebeten, das Grundstück zu verlassen, sonst werde es geräumt …

Es geht los, Action
Ruhig beginne ich die Telefonkette zu verständigen. 2 Handys – super, jeweils mit einem wählen, beim anderen sprechen, Napoleon lässt grüßen. Aus dem zweiten Zeltabteil höre ich eine vertraute Stimme.

Es hört zu regnen auf. Die ersten AktivistInnen treffen vor dem Augartenspitz ein, ich klettere aus dem Zelt, schaue mich um.
Vor dem verschlossenen Tor sind Hunderte PolizistInnen zu sehen. Aufgereiht oben am Geh-/Fahrradweg. Dunkle Gestalten. Vor dem Tor BesetzerInnen, die Telefonkette greift.

Ein Aktivist kettet sich mit dem Fahrradbügelschloß an das Tor an, übergibt mir den Schlüssel. Den Schlüssel verstecke ich beim Kino in einem Buchsbaumbusch. Meine Hündin Pizza bellt, ich nehme sie an die Leine. Verschlafene BesetzerInnen tauchen aus den Zelten auf.

Telefoniere mit Superbetrams Erfinder, wir holen ihn raus und stellen ihn vor dem Tor auf. Aber er war nur kurze Zeit online, irgendwann kamen die Uniformierten drauf, ein Schneemann im Sommer am Spitze, da ist was nicht geheuer …👿

100e Uniformierte besetzen nun den Spitz
Die Polizei sperrt das kleine Tor auf und kommen in Massen herein, 50, 60 Leute, wir BesetzerInnen sind sicher 15.
Das Gelände wird durchsucht. Ich hole Wasser und Solettis aus dem Zelt, der Kreislauf spielt ein bißchen verrückt.

Dienstnummern werden verweigert
Die Presse wird behindert, keine Dienstnummern bekanntgegeben! Ein Polizist film die ganze Zeit. Wie auf einem Horrortrip? Zwei Ungustln in Zivil mischen sich ein, werden von Aktivisten hinterfragt, was sie denn wollen, in Zivil, sollen sie doch die Dienstnummer sagen … Die zwei drehen ab.

Der Herr von der Burghauptmannschaft fühlt sich sichtlich gut, zumindest trägt er diesen Gesichtsausdruck. Burschi, mit Hunderten Polizisten fühlst Du Dich stark.
Aber wir AnrainerInnen und Bürger haben nicht Geld und Pühringer im Hintergrund, uns geht es um den Augarten. Wir brauchen keine PolizistInnen, die uns beschützen.

Polizisten fordern uns auf, das Gelände zu verlassen. Versichern in einem Nebensatz, daß das nicht ihre private Meinung ist. Leute, dann habt ihr den falschen Beruf gewählt. Da seid ihr nun mitgefangen, wenn ihr das durchführt, was ein privater „Mäzen“ anschafft.
Sorry.
In so einer Situation um 7.00 in der Früh fehlt einem da das Verständnis.

Nicht immer sanft, die Polizei
Ein Pressemensch wird unsanft und unter Protest entfernt, erste Besetzer hinausgetragen, wir Frauen werden in Ruhe gelassen.
Am Tor wird der Aktivist mit einem Schneidbrenner vom Bügelschloß und Tor geschnitten.

Warum werden wir Frauen in Ruhe gelassen? Sie haben noch zuwenig Polizistinnen, die uns tragen könnten. Nur eine junge Frau steht im Gelände mit ihren Kolleginnen, zwinkert uns zu, oder habe ich mich getäuscht?
Und immer wieder die Aufforderung, das Gelände zu verlassen.

… sonst kommt ein Hundeführer mit einem großen Hund

Und gedroht, geben Sie Ihren Hund weg, sonst kommt ein Hundeführer mit einem großen Hund! Ist der deppert, wirklich, glaubt er allen ernstes, ich lasse es auf Bißverletzungen an Polizisten ankommen?

Aber solange wir dort sitzen und das Geschehen verfolgen, schicke ich doch meine Hündin Pizza nicht hinaus.
Aber dann war es doch soweit, eine Aktivistin wird rausgeführt. Ich gehe Pizza dem Bezirksvorsteherstellvertreter Adi Hasch, der das Geschehen im Gelände beobachtet.

Kein Freiwilliges Verlassen!!!
Mehrere Polizistinnen ergreifen meine Arme und Beine. Ich lasse mich fallen, vertrauensvoll. Und schon bin ich draußen und werde vorsichtig auf die Beine gestellt. Ein Polizist, ich kenne ihn von einer Veranstaltung am Bezirksamt, wir haben Visitkarten getauscht, sieht sich meinen Bezirksratsausweis der Stadt Wien an und nimmt die Personalien auf.
Ich geselle mich zu den anderen.

Fotos, Interviews, von außen sehen wir zu, wie „vom Grundstück“ der Sängerknaben die Baufahrzeuge vorfahren, die Zelte abgebaut werden. Rajas Kunstwerke werden abmontiert, Bauzäune kommen und dann sind schon Bagger zu sehen und … es wird gebohrt …

Die Besetzung durch die AnrainerInnen wurde tatsächlich polizeilich geräumt
Später habe ich über den Eingang Filmarchiv noch das Fahrrad geholt. Niemand hat mich daran gehindert.

Ich fahre nun wieder zur Pressekonferenz, 11 Uhr.

15.00 ist eine Demonstration angemeldet vor dem Augartenspitz.

Also, kommt Alle! Widerstand!
Der Augarten ist öffentliches Eigentum, öffentlicher Grünraum. Keine Verbauung des Augartenspitzes!!!