Mensch kann der WSK Konzertsaal Errichtungs GmbH eines kaum nachsagen, dass sie auf Deeskalation aus wäre.

Ernst Kieninger vom Filmarchiv berichtet einen guten Tag nach dem Vorfall des tätlichen Angriffs durch einen Verantwortlichen der Wiener Sängerknaben, was seinem nach dem Übergriff unter Schock stehenden Mitarbeiter widerfahren ist.
Die Nerven bei den wichtigen Herren der Errichtungs GmbH liegen schön langsam sehr, sehr blank.

(Interview von WienTV.org,
mit Videosequenzen des angegriffenen Platzwarts)

Bei der hier angesprochenen Aktion – siehe hier den Bericht der Nacht 8 – ist zudem das Material des Filmarchivs im Eingangsbereich (die Wegbeleuchtung für die Nacht samt Teilen der Elektrik) so unsanft beiseite gebracht worden, dass dem Filmarchiv dadurch Schaden entstanden ist.

Retourkutschen zwischen Nachbarn
Damit aber nicht genug. Am selben Tag tauchten noch Beamte auf und unterzogen das Filmarchiv und die Anlagen des ‚Kino wie noch nie‚ einer peinlichst genauen Kontrolle der Elektrik. Die Suche, ob denn alle Auflagen erfüllt seien, Beanstandungen, unter anderem der Wegbeleuchtung im Eingangsbereich … klar.

Die Überprüfung kam samt einem entschuldigenden Achselzucker, man habe das jetzt leider so und ganz genau zu tun. Der Blick geht Richtung zu den benachbarten Sängerknaben und noch ein ‚das ist halt nunmal so‚-Achselzucken.

Trotzig hysterische Public Relations
Die Öffentlichkeitsarbeit der Wiener Sängerknaben wird gleichzeitig immer bizarrer und ist jetzt endlich da angekommen, dass sie mit der ‚unter Gürtellinie‚-Metapher gar nicht mehr angemessen zu erfassen ist. Da sind solche Dinge dann Kleinigkeiten:
die Bürgerinitiativen wollen mit dem Präsidenten der Wiener Sängerknaben Walter Nettig in Kontakt treten, bekommen von seinem Büro die Absage „er wäre gar nicht in Wien„, während er an selbigem Tag und in Begleitung die Baustelle besichtigt.

Nun gut, das ist alles im Rahmen üblicher Geplänkel, Öffentlichkeitsarbeit hier gegen Öffentlichkeitsarbeit da, Tit for Tat.

Die Chuzpe ist aber vielmehr die Presseaussendung der Wiener Sängerknaben Konzertsaal Errichtungs GmbH vom gestrigen 16. Juli. Übrigens interessant ist auch die Uhrzeit der „ots“ 16:39, für zeitungen viel zu spät, höchstens für Onlinemedien zu gebrauchen. Anscheinend hat’s da eine eilige Krisensitzung gegeben, dabei wurde husch pfusch diese „ots“ entworfen und anschließend sofort verschickt …
… noch vor dem Korrekturlesen und Ausbessern der Fallfehler usw.

(Siehe die Aussendung auch hier auf der Seite der Wiener Sängerknaben.)

Einige Inhalte der Presseaussendung werden die verschiedenen Beteiligten – Magistratsbeamte, Baufirma, Bürgerinitiativen, Filmarchiv – wie gehabt nur mit gelangweiltem Kopfschütteln quittieren. Andere verlassen klar den Rahmen des geordneten Interessenskonflikt und es stellt sich die sehr unangenehme Frage:

Mit welchen Mitteln arbeitet die WSK Konzertsaal Errichtungs GmbH?
So heißt es noch eingangs der fehlerhaften Presseaussendung:

Laut Mitteilung von Anrainern ist es am Wochenende 05./06.07.2009 sogar zu einem Feuerwehreinsatz gekommen, weil von den Aktivisten auf dem Baugrundstück ohne Sicherheitsvorkehrungen und in unmittelbarer Nähe zum denkmalgeschützten Pförtnerhaus ohne Bewilligung ein Lagerfeuer abgebrannt wurde.

Damit wird wohl dieser dubiose Fall hier gemeint sein, oder?

Nun, dieser Fall wurde der Polizei gemeldet und zwar von Seiten der Bürgerinitiativen, weil jemand – der mysteriöse Unbekannte nämlich – gleich mehrerlei nachweisliche Falschmeldungen von einer öffentlichen Telefonzelle aus lanciert hat:
Sich den Namen einer Proponentin der Bürgerinitiative der „Freunde des Augartens“ anmaßend und sich als Anrainer ausgebend, hat der Herr ein Feuer und Geruchsbelästigung der Umgebung durch dieses Feuer als Alarm bei der Wiener Feuerwehr gemeldet. Ein Feuer, das kurz zuvor ein mysteriöser, sich alleine herumdrückender Unbekannter am Augartenspitz angezündet hatte – ein anderer? der selbe? – und das, so groß war es nämlich, von der anrückenden Feuerwehr mit einem Becher Wasser gelöscht wurde.

Der Versuch, die Bürgerinitiativen zu denunzieren
Die Feuerwehr musste also auf einen dubiosen Anruf ausrücken und vor Ort feststellen, dass es es sich offensichtlich um Denuziation handelte. Das Ziel der Aktion des Unbekannten ist eindeutig:
Der Mann hatte am Telefon den Namen einer Sprecherin der Bürgerinitiative angegeben. Das Feuer sollte den BesetzerInnen in die Schuhe geschoben werden.

In der Presseaussendung der Wiener Sängerknaben Errichtungsgesellschaft von gestern wird nun eine gute Woche nach diesem bereits ungustiösen Vorfall diese offensichtliche Denunziation jetzt zu einem begründeten Feuerwehreinsatz umgedichtet.
Abgesehen davon, dass es sich um die nächste ungustiöse Denunziation handelt, stellen sich nun diese unangenehmen Fragen:

  • Woher weiß die Öffentlichkeitsarbeitabteilung der WSK von einem „Anruf eines Anrainers“ bei der Feuerwehr?
  • Welche Anrainer kennt die WSK Konzertsaal Erichtungsgesellschaft, von denen sie solches erfahren haben wollen? Besonders interessant, da die Anrainer die Bauarbeiten und Pläne der WSK bekanntermaßen rundum ablehnen.

und

  • um wieviele mysteriöse Unbekannte handelt es sich hier eigentlich? Was ist das Motiv hinter diesen Vorfällen? Geld?
    Wer bezahlt für solche Aktionen abseits eines geregelten Interessenskonflikts, bei dem sich Anrainer und Bevölkerung mit Interesse an öffentlichem Grund den privaten Interessen eines Bauprojekte verwirklichen wollender Hedgefonds-Managers gegenüberstehen?

Apropos privater und öffentlicher Grund
Der Augarten und damit auch der Augartenspitz sind öffentliches Eigentum, werden vom Bund, das heißt genauer: durch das Wirtschaftsministerium und die Burghauptmannschaft verwaltet.
In der so fehlerhaften Presseaussendung der Wiener Sängerknaben Errichtungsgesellschaft steht:

Die Aktivisten halten ein Privatgrundstück illegal besetzt und sind trotz mehrfacher Aufforderung durch die Burghauptmannschaft und die Wiener Sängerknaben nicht bereit, dieses zu verlassen.

… behauptet da die Erichtungsgesellschaft.

Was soll das heißen? Was für ein „Privatgrundstück“?🙄 Betrachten der Herr Hedgefonds-Manager und die Errichtungsgesellschaft diesen öffentlichen Grund bereits als Privatbesitz? Das ist ja wohl die nächste Chuzpe!

Da sei einmal auf den ersten Eintrag in dieser Augartenspitz-Dokumentation verwiesen:
hat ein privater Verein das Recht öffentlichen Grund zu besetzen?

Zweitens, was soll die Gegenwartsform „die Aktivisten halten ein Privatgrundstück illegal besetzt„?
Wird hier von dem Gelände am Augartenspitz geschrieben, das vor mehr als einer Woche geräumt wurde, seit dem eingezäunt ist und von Security bewacht wird?
Ist die Security jetzt eine „illegale Besetzung durch Aktivisten“?

Die WSK Errichtungsgesellschaft hat überhaupt ein Problem mit dem Begriff „illegal„.
Ihr Vorgehen – von Tätlichkeit über Denunziation bis zu den Bohrarbeiten ohne Genehmigung – war selbstverständlich alles vollkommen „rechtskonform„, aber Personen, die Auskunft verlangend angegriffen werden, AktivistInnen, die denunziert werden und Anrainer, die öffentlichen Grund vor privaten Interessen schützen wollen, die stehen freilich außerhalb des Rechts.

Statt eines Dialogs eskalieren die Ereignisse weiter
Der letzte Höhepunkt liegt gerade bei der Polizei, ein anonymer und sehr persönlicher Drohbrief. So weit ist es gekommen. Ebenfalls gestern, am 16. Juli, findet eine der Organisatorinnen des Widerstands gegen die Verbauungspläne der WSK Errichtungsgesellschaft einen Brief in ihrem Postkasten, der sie schon vor dem Öffnen erschreckt und offensichtlich erschrecken soll. Das bestätigt sich erst recht nach dem Öffnen des Briefes.

Wer immer nun dieser mysteriöse Mensch wieder ist und in welchem Auftrag er auch handeln mag, die Grenzen sind weit überschritten, weit weit weit überschritten.

Die Summe dieser Vorgänge lässt nicht Gutes vermuten. Und das, was da tätsächlich abgeht, es steht im krassen Widerspruch zu den via Öffentlichkeitsarbeit verbreiteten Aussagen zu „Dialogbereitschaft“ und „Drüber Reden„.

Die Tatsachen sprechen eine klare Sprache:
das „Reden“ wird verweigert, der „Dialog“ und die „offene Information“ klarerweise dennoch behauptet. Allerdings wirklich nur behauptet. Im Hintergrund passieren ganz andere Dinge.

Der Drohbrief liegt übrigens der Polizei vor. Ein anonymisierter Scan, der die Empfängerin schützt, wird wohl nächste Woche hier abgebildet werden.

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