Augartenspitz = Öffentlicher Grund und ein ökologisches Biotop

So wie mit dem Grundwasserschutz wird auch mit dem Artenschutz umgegangen. Das hat System in der Sache Augartenspitz, egal wo man hineinbohrt, es kommt keine astreine Sache raus. – zB. als Genehmigung für die Grundwasserbohrung wurde den BürgerInnen ein Schreiben der Burghauptmannschaft präsentiert, welche ihrem Mieter, dem Verein Wiener Sängerknaben, Bohrungen gestattet. Wir brauchen kein Wasserrecht mehr, wir fragen die Burghauptmannschaft!
Vielleicht ist die Burghauptmannschaft auch zuständig für das Naturschutz- oder das Baumschutzgesetz? Wahrscheinlich haben die Wiener Sängerknaben die Bewilligung der Burghauptmannschaft für Baumfällungen in der zuständigen Abteilung am Magistratischen Bezirksamt vorgelegt und so wie beim Grundwasser wird das zumindest so lange akzeptiert, bis die BürgerInnen in den Medien genug Öffentlichkeit haben.


Umweltinformationsgesetz

Es ist es auch nicht nachvollziehbar, warum Bäume, die außerhalb des zur Verbauung vorgesehenen Gebietes sind, gefällt werden dürfen. Und auch, dass die BürgerInnen keine Einsicht in diese Bescheide bekommen, weil sie „gesperrt“ sind. Es gibt nämlich, so nebenbei erwähnt, ein Umweltinformationsgesetz, das zur Auskunft in allen relevanten Punkten zur Umwelt verpflichtet, so auch zu Wasser, Baum- oder Artenschutz. Aber hier hat schon die Europäische Kommission Österreich beim EuGH wegen der Nichtumsetzung der Umweltinformationsrichtlinie geklagt.
Also die „mir san mir“-Mentalität der Bauherren kommt auch beim Naturschutz zum Tragen!

Zurück zu den gefährdeten Fledermäusen

In der Roten Liste der gefährdeten Tierarten finden sich einige Fledermausarten, wie auch der Große Abendsegler, der im Augartenspitz abends zur Jagd ausfliegt.
Art:  Nyctalus noctula
Familie: Vespertilionidae
Gruppe: Säugetiere/Mammals/Mammalia
deutscher Name: Abendsegler
Wien. Streng geschützte Arten (Kat. A), prioritär bedeutend

Was heißt das, streng geschützt und prioritär bedeutend???

Kategorie A: Streng geschützte Tierarten mit Lebensraumschutz im gesamten Stadtgebiet.

Besondere Schutzmaßnahmen nach § 10 (3) des Wiener Naturschutzgesetzes LGBl. Nr. 12/2006:
Für streng geschützte Tiere mit Ausnahme der Vögel, sind folgende Maßnahmen verboten:
1. alle Formen des Fangens oder der Tötung, ungeachtet der angewandten Methode,
2. jede absichtliche Störung dieser Tiere, insbesondere während der Fortpflanzungs-, Aufzuchts-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten,
3. jede absichtliche Zerstörung oder Beschädigung sowie die Entnahme von Eiern aus der Natur,
4. jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten,
5. der Besitz, das Halten, der Handel oder der Austausch und das Angebot zum Verkauf oder zum Austausch von aus der Natur entnommenen Tieren im lebenden oder toten Zustand oder deren Körperteilen,
6. der Transport im lebenden Zustand.
Diese Verbote gelten für alle Entwicklungsstadien der Tiere.
§ 9 (3): Streng geschützte Arten, die einen besonders hohen Gefährdungsgrad aufweisen oder von nationaler oder internationaler Bedeutung sind, können in der Verordnung gemäß Abs. 1 als „prioritär bedeutend“ eingestuft werden.
§ 12 (3): Die Naturschutzbehörde hat den Erhaltungszustand aller durch Verordnung gemäß § 9 Abs. 1 streng geschützten Arten zu überwachen und zu dokumentieren. Arten, die gemäß § 9 Abs. 2 als „prioritär bedeutend“ eingestuft sind, sind besonders zu berücksichtigen.
§ 15. Zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensbedingungen als „prioritär bedeutend“ eingestufter Arten gemäß § 9 Abs. 3 sowie zur Erhaltung und Verbesserung geschützter Biotope gemäß § 7 Abs. 2 ist von der Landesregierung ein Arten- und Biotopeschutzprogramm zu erstellen.


Sind nun die als gefährdet eingestuften Fledermäuse nun im Augarten gefährdet?

Lt. MA22 zuständig für Umweltschutz soll es zu keine Gefährdung der Arten kommen. Warum trauen wir dieser Aussage nicht ganz? – Siehe oben die Sache mit dem Grundwasser. Oder auch, dass der Dachs nicht als Tierart im Augarten gelistet wurde, obwohl er als Augartenbewohner der MA22 bekannt war, siehe auch, daß Bäume gefällt werden dürfen…

Die Paragraphen sagen eindeutig, es müsste schon längst ein Biotopeschutzprogramm für die Fledermäuse im Augarten erstellt sein. Und warum ist das noch nicht passiert, werte Stadträtin Sima?
Genau, vielleicht irrt das Bundesumweltamt, und die Fledermäuse sind doch nicht vom Aussterben bedroht, zumindest nicht im Augartenspitz.
Das Bundesumweltamt liegt wahrscheinlich auch falsch, wenn es auf der Webseite zur Gefährdung der österreichischen Fauna schreibt.

„Die Aktivitäten des Menschen führten bei vielen Arten zu Lebensraumverlusten, Habitatdegradation und Habitatfragmentation… Lebensraumverlust führt zu Populationsrückgängen, Arealverlusten, erhöhtem Aussterbensrisiko uns schlussendlich zum lokalen Erlöschen von Populationen und Arten.“

Als Beispiele nennt die Seite des Umweltbundesamtes auch Fledermausarten:

Eine österreichsche Fledermausart, die Langflügelfledermaus, ist ausgestorben, zwei Arten sind vom Aussterben bedroht. viele Arten sind gefährdet. Die Gründe sind Intensivierung der Landnutzung, Nahrungsmangel durch Pestizideinsatz und Störung der Überwinterungsplätze in Höhlen und Gebäuden.

Und ausgestorben heißt für immer ausgestorben und ein ökologisches Biotop wie der Augartenspitz muß als Grünraum erhalten werden und darf keiner Verbauung anheim fallen! – Die BürgerInneninitiativen haben sich nun an die Umweltanwaltschaft gewandt.  Wir werden weiter berichten.

Tipp:
Wenn ihr mehr über die Rote Liste der gefährdeten Tierarten wissen wollt, das Bundesumweltamt bietet eine Abfrage für Bundesländer und einzelne Tierarten an.